Informationen zur Veranstaltung
Was bedeutet Wahrheit heute? Wie ist sie zu finden, im therapeutischen Gespräch, im Kunstwerk oder im medialen Bild? Nicht immer ist das, was kohärent oder wirklichkeitsnah aussieht, wahr. Manchmal sind es gerade die Bruchlinien der Erfahrung, die auf Wahrheit verweisen. Erinnerungsbilder können realitätsgetreu, aber auch sehr verzerrt ausfallen. Sie können die Überzeugungen der sich erinnernden Person wiedergeben und damit wahrhaftig sein, aber sie können auch vorgetäuscht sein. An ihrer Wahrheit und Wahrhaftigkeit arbeitet der therapeutische Prozess.
Kunstwerke werden selbst zu Prüfsteinen der Wahrheit. Altniederländische Porträts beanspruchten, der Realität besonders nahe zu kommen. Später wird bei Künstler:innen wie Alice Neel oder Francis Bacon deutlich: Überzeichnung und Verzerrung ist kein Verlust von Wahrheit, sondern ihre Bedingung. Auch die Fotografie, die lange als authentisches
Dokument missverstanden wurde, entlarvt sich als Auswahl, Ausschnitt und Inszenierung. Auf der anderen Seite kann das Bild, etwa durch einen auf einer Fotografie im Augenblick erfassten Gesichtsausdruck, Wahrheiten aufdecken.
Gemeinsam ausgewählte Kunstwerke zu betrachten lässt erleben, wie sehr Vorannahmen, Erwartung und Kontextbedingungen unsere Urteile leiten und wie rasch sich Gewissheit und Bestätigung einstellt, wo Unsicherheit geboten wäre. Dabei sollen Irritation, Widerstand und Nicht-Verstehen als eigenständige Formen von Erkenntnis ernstgenommen werden.
Dr. phil. Jana Lucas
Prof. Dr. Joachim Küchenhoff
Treffpunkt in der Kunsthaus Bar im Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1/5, 8001 Zürich
21. November 2026, Beginn um 9.30 Uhr
349 CHF in bar vor Ort zu bezahlen, inkl. Mittagssnack und Kaffeepause, zzgl. Museumseintritt
Der eintägige Workshop wendet sich an Psychoanalytiker:innen, Psycholog:innen, Kunsthistoriker:innen sowie Kunstschaffende, die wissen, dass Verstehen auch beunruhigen kann und die erproben wollen, wie Wahrheit im Zusammenspiel von Beobachtung, Reflexion und Überprüfung erkannt werden kann.
bis zum 30. September 2026 per Email an jana@janalucas.ch